Monat: August 2023

Deutschland – wo willst du hin?

Normalerweise wollte ich in diesem Blog nur kurze Meinungsschnipsel loswerden, aber die Reise ins nahe Dänemark und die durchaus wilde Odyssee verleitet mich zu diesem Beitrag.

Fangen wir mit einem kurzem Rundumschlag zum Thema Service an. Unser Auto verweigert pünktlich einen Tag vor Urlaubsstart den Dienst. Also die gelben Engel angerufen (immerhin 20 Jahre Kunde mit einer Handvoll Anrufen bis dato) zur kurzen Analyse. Analyse hat stattgefunden aber da wir nicht 100km vom Heimatort entfernt sind, keine Chance auf ein Auto. Als Tip bekamen wir die Info, fahrt einfach los und nach 100km ruft ihr wieder an. Klappt dann soweit. Mit etwas mulmigen Gefühl, allerdings mit dem Wissen das kein Anbieter auf die Schnelle ein Leihauto für eine Großfamilie hat, folgten wir den Rat des gelben Engels. Wie zu erwarten passierte schon kurz vorher die Panne und wir waren gestrandet. Ein weiterer Anruf erfolgte und wir wurden auch abgeschleppt zur Servicestation, doch dann begann die sog. Servicewüste. Weitere Leistungen werden verweigert, da der Kollege am Vortag mit angewiesen hat, sofort in die Werkstatt zu fahren. Soweit so gut. Vom durchaus freundlichem und gewillten Mitarbeiter vor Ort erhielt ich die Rufnummer des Plus Schutzbriefes. Schon die Durchsage war erheiternd – es Ferienzeit und wir haben nicht genügend Kapazitäten. Ok, Urlaubssituation verstehe ich – obwohl es ja kein spontanes Ereignis ist und man hätte ja durchaus etwas Planen können – und so wartet ich knappe 5 Minuten bis ich einen Mitarbeiter am Telefon hatte. Er hörte sich auch an, mittlerweile 18.00 Uhr (wir starteten um 15.00 Uhr), dass wir mit einigen Kindern in der Ödnis gestrandet sind und wir eine Lösung brauchen. Ebenso wies ich den Mitarbeiter auf die Aussage hin und auch auf meine Gewilltheit die Kosten zu übernehmen – nur wir wollten nach Hause. Er verstand, zumindest sagte er das, meine Situation und versprach Klärung mit Rückruf. Dieser ist auch nach unserem Urlaub nicht erfolgt. Soweit so gut – Urlaubszeit hin oder her. Die gelben Engel bieten einen Service an, den sie nicht einhalten können. Das Gegenstück ist die Versicherung mit Schutzbrief – ein Anruf um 20:00 Uhr, Rückruf um 20:50 Uhr (Sonntag IN DER FERIENZEIT) mit Lösungsvorschlag. Es geht also. Um 22:00 Uhr waren wir mit Auto und Kindern zu Hause. Wenn man will, geht es. Achja, ein Leihauto kann bei den großen Anbietern nicht aufgetrieben werden, sollte ich privat eines finden werden die Kosten übernommen. Am 21.08 (einen Tag nach geplantem Urlaubsstart) kamen wir mit einem Leihauto am Ziel an. Kostenübernahme? Erfolgt und problemlos (O-Ton Mitarbeiter – ihr Budget lässt das zu, die letzten 19 Jahre ohne größere Schäden, da geht was) – es geht also wenn man will.

Kommen wir zu Punkt zwei – die Anbieter von Leihautos. Wir mussten feststellen, daß ein Van sehr schwer aufzutreiben ist. Unter der Hand wird die Schuld an die Autohersteller geschoben, da sie die großen Fahrzeuge nicht mehr anbieten wollen/können. Jedenfalls sind wir am 21.08 in der frühe fündig geworden und haben beim Anbieter (den Namen kann man ruhig nennen – check24/Budget) einen Van gefunden. Buchung und Bestätigung kamen und so – ab ins Auto und 50km gefahren. Die Buchung erfolgte um 09.20 Uhr – Abholung um 13.00 Uhr. Kurz vor 13.00 Uhr ging ich ins Büro und wollte das Auto holen. Mit etwas verwunderten Augen blickte mich die Mitarbeiterin an und sagte mir – es gibt kein Auto. Die nächsten Worte waren wie folgt: „Oh, jetzt sehe ich ihre Buchung. Naja, wurde über check24 gemacht, die Bestätigen immer gerne alles. Oh, war ja auch schon um kurz nach 09 Uhr. Hm…“. Auf das „Hm..“ frage ich, was eig. das Problem ist dann beim Kunden anzurufen und eben zu sagen das es nicht geht. Auch hier warte ich noch bis heute auf eine Antwort. Letztendlich hat es ein privater Anbieter mit sehr viel Geduld und Fingerspitzengefühl möglich gemacht.

Im Urlaubsziel Dänemark angekommen fällt mir die Einfachheit von vielen Dingen auf. Überall Kartenzahlung möglich, Parken problemlos mit App und Verlängerung. Habe ich schon LTE (voller Empfang) in JEDER Ecke erwähnt. Am Ende haben wir nicht einen Cent Bargeld in der Hand und konnten beim kleinsten Bäcker, auf einem Streetfood Festival an jeder Bude und in jedem Museum bequem mit Karte alles zahlen. Straßenqualität und anderweitige Dinge wie Freundlichkeit, Servicebereitschaft, Hilfsbereitschaft und saubere Städte und Dörfer taten ihr übriges. Die Rückfahrt hat mir vor Augen geführt wie heruntergekommen Deutschland mittlerweile ist.

Entwicklung der Gesellschaft

Mit Kindern sieht man die Welt mit anderen Augen. Man bleibt neugieriger, sieht auch Trends aufsteigen und fallen, bemerkt auch gesellschaftliche Wandlungen wenn man sich darauf einlässt.
Durch die Absteckung der Palette von Präpubertär und Kleinkind sehe ich wohin die Reise geht. Die Interaktion der Kinder mit ihrer Umwelt zeigt einen eklatanten Wandel auf. Es wird viel gejammert, daß Schulen nur noch altes Wissen vermitteln und nicht auf der Höhe der Zeit sind. Es wird vermittelt, daß die Sitten roher werden und die Jugend nichts mehr taugt.
Beobachtet man die Situation etwas genauer, muss eine Differenzierung erfolgen. Beispielsweise die Schule – im ländlichen, fränkischem Raum kann ich die Aussage, die Schule vermittle nur unnützes Wissen, nicht bestätigen. Zwar sind die Schulen nicht mit High-Tech ausgestattet, doch die Lehrmethoden zielen auf die eigene Interaktion aus, was ich persönlich begrüße. So wird das Schreiben gelernt und durch Hausaufgaben, die zum Nachahmen und auch Nachdenken anregen, verinnerlicht. Auch die Mathematikaufgaben der Älteren sind zwar noch fast genauso wie wir sie in der Schule hatten, aber eben auch dort – durch Fallbeispiele wird gerechnet und somit in den Alltag eingebunden.
Zwei Beispiele sind natürlich selektiv ausgewählt, gehe ich aber weiter sehe ich auch das die Kinder vielmehr bewältigen müssen. Englisch ab der 3. Klasse, erste leichte physikalische Auseinandersetzung in der 4. Klasse – ich kann mich in meiner Schulzeit nicht an so ein rasches Vorgehen erinnern.
Der springende Punkt in den Gemeinden hier ist, daß die Schüler da auch mitziehen. Alle sind der deutschen Sprache mächtig (auch die Kinder der syrischen Familien), alle sind lernbereit und bekommen zuhause den Grundstock sozialen Verhaltens vermittelt. Und während man in progressiven Kreisen sicherlich gerne darauf schimpft, daß so eine Konformität ja widerlich ist – darauf baut eine Gesellschaft. Gesellschaft ist ein Konsens von Grundregeln, der das Zusammenleben und -wirken ermöglicht. Die individuelle Entwicklung, kann ich in meinem Umfeld, auch entdecken. Das passiert in einem Maße, in welchem andere nicht gezwungen werden, daran teilzuhaben. Im Kindergarten gibt es ein Kind, welches sich seiner Rolle noch nicht bewusst ist. Von den Eltern gibt es da keinerlei Druck, im Kindergarten muss keine extra Bestärkung durchgeführt werden – das Kind kann einfach Kind sein. Und es funktioniert einfach.

Von der Sichtweise aus dem heimischen Bullerbü, hin in die realistische, globale Arbeitswelt. Mein Kollegenstamm sitzt in Europa, viele Arbeitskollegen aus der restlichen Welt.
In der IT Branche gibt es zwei Arten von Menschen. Die, die offen sind und neues Probieren, neue Wege gehen und Personen die Standards benötigen und alles nach Plan machen.
Sicherlich gibt es vielschichtigere Rollen, aber im großen und ganzen ist das meine Beobachtung über die Jahre. Nun stürmt die Generation 25+ an den Arbeitsmarkt, studiert, willig etwas zu tun. Doch ich beobachte auch, daß der Wille nur funktioniert, wenn die Wege vorgegeben sind. Läuft etwas außerhalb des gesteckten Rahmens, fehlt neben dem Verständnis wie Dinge generell funktionieren, auch der Wille sich Sachen anzunehmen. Im militärischen Stil nennt man das „Die Komfortzone verlassen“. Andere Wege gehen, evt. auch mal scheitern und daraus lernen. Neben diesen fehlendem Willen gibt es auch die Unbedarftheit mit welcher vielen von den jungen Leuten an Sachen rangehen. Es fehlt an grundlegendem Verständnis, wie Dinge funktionieren. Sei es in der IT, bei mechanischen Dingen, in der Ökonomie. Alles wird blind als gegeben wahrgenommen und wenn etwas nicht klappt – ja dann muss es jemand anderes richten – ein Experte.
Dabei tappt man weiter im Kreis, denn viele Experten erkennen zwar wie Dinge funktionieren, verstehen aber nur das eigene Marketing. So züchtete sich über die Jahre mehr und mehr eine geführte Gesellschaft, entfernt von allem Kontext eines guten Zusammenlebens.
Ein Konsens kann nur entstehen, wenn auch Dinge angepackt werden von Leuten, die verstehen wie Dinge funktionieren. Sind die Leute die Mehrheit, ist es eine Demokratie – sind es nur noch wenige, eine Hegemonie, sind es die Akteure, die verstehen sich als Experten zu verkaufen und zu lenken – dann die Oligarchie.