Monat: Oktober 2023

Twitter / X und die deutsche Wahrnehmung

Auch wenn ich mir gerne pessimistische Blogs über Deutschland ansehe, die Beiträge meistens mit einem Schmunzeln lese und auch selbst betroffen bin, von der lahmen Bürokratie, das schwer funktionierende Gesundheitssystem und vieles mehr – oft bin ich überzeugt, daß es noch nicht soooo schlimm ist. Aber eines, das verbittet sich schon seit mehreren Jahren bei mir – Deutschland als irgendeinen Standard anzusehen.
Wenn ich mir anderen Länder ansehe, die Presselandschaft verfolge (was immer weniger wird, da doch viele Meldungen mittlerweile mehr oder weniger nur Stimmung erzeugen sollen) so merke ich immer mehr, daß wir Deutsche mehr und mehr zu einer Forderungsgesellschaft werden. Wir möchten jedem Vorschreiben wie und was er zu tun hat, möchten auf fremden Platformen unseren Willen durchsetzen. Ich vergleiche das immer gerne mit einem Hausgastvergleich:

Wenn ich Gast bin in einem Haus, dann darf ich natürlich jederzeit nach bestehenden Dingen fragen (Essen, Toilette etc.), gerne auch mal etwas anfragen. Aber sobald ein Gast anfängt zu fordern (ich will statt Wasser Limonade, ich will statt Brot einen Braten…), dann hört es mit der Gastfreundschaft auf. Mittlerweile sind wir auf dem Niveau solche Forderungen an andere zu stellen, oft im Einklang mit dem Datenschutz und der Sicherheit etc. Es ist eine gute Sache und wir sollten uns im klaren sein, daß der Datenschutz eine wichtige angelegenheit ist. Man sollte aber auch einen Blick darauf werfen, woher 99% unserer Online-Dienste bspw. herkommen und aus welchem Kulturansatz. Wie wird dort der Datenschutz gesehen? Wie wird dort alles gehandhabt?
Stellt man nun beide Sichtweisen nebeneinander, dann klafft – historisch bedingt – eine große Lücke. Nun kann ich als Gast natürlich bitten, meinen Wünschen zu entsprechen. Wird dies nicht getan, so bleibt mir als Gast eigentlich nur der Weg in ein anderes Haus, welches evt. meinen Wünschen entspricht oder ich baue mein eigenes Haus mit meinen Regeln und Wünschen.
Nun regelt der Markt oft manche Angelegenheit. Bin ich bereit, Geld zu zahlen für Dienste die meinen Extrawünschen entsprechen? In Deutschland sind wir, denke ich, sehr pragmatisch – wir zahlen wenig für Onlinedienste wenn sie uns keinen wirklichen Nutzen bringen. Ergo, nehmen wir kostenlose Dienste (die wir mit unserem Verhalten und unseren Daten zahlen) in Kauf und agieren dort.

Seit letztem Jahr hat Elon Musk Twitter übernommen. Die Platform steht für schnellen Informationsfuß, Tratsch und teilweise kuriosen Informationen und Einträgen. Das Beben in den Staaten war groß, denn Twitter hat dort durchaus gesellschaftlichen Einfluss. Twitter betrieb in Zusammenarbeit mit Agenturen und regulatorischen Bebhörden eine mehr oder wenigen offenen Informationsraum. Wie bei jeder Zensur, entscheidet aber immer noch ein Mensch über bestimmte Regelungen und da spielen durchaus empfindlichkeiten und Anweisungen eine Rolle. Die Twitter Files ( https://www.npr.org/2022/12/14/1142666067/elon-musk-is-using-the-twitter-files-to-discredit-foes-and-push-conspiracy-theor ) legten hier die Beweise dar. Nach der Übernahme versprach Musk, die Platform wieder zu dem zu machen, als was sie angedacht war – als Stimme des Volkes ( https://www.wired.com/story/twitter-digital-governance-elon-musk-polls/ ). Auch wenn viel Schein dahinter steckt, so hat man recht schnell bemerkt, daß der Ton rauer geworden ist, viel mehr Informationsfluss über kontroverse Themen herrscht und auch die Beschimpfungen zugenommen haben – zumindest nimmt man das in Deutschland so wahr. Denn in den Staaten dürfte sich, bis auf einen Ruck in die konservative Ecke, weniger getan haben. Der Ton war dort schon immer rau (als Abbild der Gesellschaft) und auch die behandelten Themen waren mehr als kontrovers. Hierfür gibt es nun die Community Notes, welche zu kontroversen Themen Stellung nehmen kann und Informationen bestätigen kann oder eben als falsch markieren kann.

Auf heise ist nun ein Artikel erschienen ( https://www.heise.de/hintergrund/X-Twitter-unter-Elon-Musk-Rueckblick-auf-ein-chaotisches-Jahr-9339617.html ) der nun das eine Jahr unter die Lupe nimmt und alternativen aufzählt. Mit etwas Medienkompetenz wird man schnell raushören, wer heute noch Twitter nutzt gehört doch eher zu den konservativem Klientel und sollte lieber auf Alternativen ausweichen. Hier stößt es mir auf, die deutsche Überheblichkeit, welche wieder einmal indirekt Forderungen stellt – die verlorene Zensur, die „Safe-Spaces“ – all das fehlt. Wir weisen auf alternativen hin, welche aber geringe Nutzerzahlen haben, nicht richtig funktionieren oder eben nicht den Raum abbilden den wir möchten. Und wir wollen nicht sehen, daß am Ende die meisten Leute am Ende doch bei X bleiben werden. Denn dort passiert eben das relevante. Wenn ein deutscher Minister nun sein Unwesen auf Mastodon treibt, die EU versucht eine eigene Instanz zu betreiben – nun ehrlich – wen interessiert es in der Welt? Wird ein Japaner, ein Amerikaner, ein Afrikaner sich auf EU eigenen Instanzen rumtreiben? Wird ein Präsident der vereinigten Staaten, ein Scheich der Emirate auf einer Mastodon Instanz seine Gedanken kundtun, ohne Reichweite? Die Antwort kann sich jeder selbst ausmalen.
Wir wollen etwas bequemes, was uns nicht sauer aufstößt – dann sollten wir das eigene Haus aufbauen uns aber nicht wundern, wenn wir nichts mehr mitbekommen und alles kontroverse liegenbleibt. Oder wollen wir der durchaus dreckigen Realität ins Auge sehen? Das wir zwar einen hohen, menschlichen Standard hier in Deutschland und der EU pflegen, dieser aber wirklicherweise, fast einzigartig ist und eben die Welt und viele Leute eben diese kontroversen Gedanken und Ängste haben? Und wenn wir uns dieser Aufgabe stellen, sollten wir das ohne Wertung tun.

Simpler Time Tracker mit SQLite

Seit langem suche ich etwas, wo ich meine Aufgaben und Kommentare + Zeit sauber hinterlegen kann. Gerade im Datenverarbeitungsbereich möchte ich irgendwann eine saubere Auflistung aller Tasks die über die Monate, Jahre etc. angefallen sind. Nun habe ich Zeitlangs eine Obisdian Tabelle geführt, eher schlecht als recht. Zwar konnte ich da alles schön hinterlegen und aufarbeiten, aber am Ende fallen die Daten dann in ein Loch und richtig auswertbar ist das auch nicht. Dann kommt Excel – schön und gut, aber das XLS Format ist nicht sehr robust. Daher musste was einfaches her. Für eine große Datenbank ist es zuviel, daher die Entscheidung auf SQLite. Der Aufbau ist relativ simpel gehalten. Zugriff erfolgt via DataGrip aber es gibt hier sicherlich genug alternative und GUI die einen Zugriff erlauben. Schema ist weitgehends einfach:

create table main.worktime
(
year integer not null,
month integer not null,
day integer,
task TEXT not null,
code_comments TEXT,
status TEXT,
task_time REAL not null
);

Auswertung erfolgt über JupyterLab (das Skript wurde mit Hilfe von ChatGPT erstellt um mal die Plus Variante zu testen). Hinzugefügt wurden das Datum und die Wochenauswertung:

# Importing SQLite and other required libraries
import sqlite3
import matplotlib.pyplot as plt
import pandas as pd
from datetime import datetime, timedelta
# Connect to SQLite database or create one if it doesn't exist
conn = sqlite3.connect("TimeTracker.sqlite")


# Function to generate reports from the SQLite database
def generate_reports(year=None, month=None, day=None, weekly=False):
    query = "SELECT * FROM main.worktime WHERE 1=1"
    params = []
    
    if weekly:
        today = datetime.now()
        start_week = today - timedelta(days=today.weekday())  # Monday of the current week
        end_week = start_week + timedelta(days=6)  # Sunday of the current week
        year = start_week.year
        month = start_week.month
        query += f" AND (date(year || '-' || month || '-' || day) BETWEEN date('{start_week.date()}') AND date('{end_week.date()}'))"
    
    elif year:
        query += " AND year = ?"
        params.append(year)
    if month:
        query += " AND month = ?"
        params.append(month)
    if day:
        query += " AND day = ?"
        params.append(day)
    
    df = pd.read_sql_query(query, conn, params=params)
    if df.empty:
        print("No data available for the selected date range.")
        return

    if weekly:
        title = f"Weekly Report for the current week starting from {start_week.date()}"
    elif day:
        title = f"Daily Report for {year}-{month}-{day}"
    elif month:
        title = f"Monthly Report for {year}-{month}"
    else:
        title = f"Yearly Report for {year}"
    
    summary = df.groupby('task')['task_time'].sum().reset_index()
    
    plt.figure(figsize=(10, 6))
    plt.bar(summary['task'], summary['task_time'], color='blue')
    plt.xlabel('Task')
    plt.ylabel('Time Spent (hours)')
    plt.title(title)
    plt.xticks(rotation=45)
    plt.show()

# Uncomment the following lines to generate reports in your Jupyter Lab 
current_date = datetime.now()
default_year = current_date.year
default_month = current_date.month
default_day = current_date.day

generate_reports(default_year)  # Yearly report for 2023
generate_reports(default_year, default_month)  # Monthly report for October 2023
generate_reports(default_year, default_month, default_day)  # Daily report for 2023-10-06
generate_reports(weekly=True)

Für die schnelle Erfassung ein schönes Tool. Mal sehen wie sich das bewährt.

Hintergrund Info: https://dannb.org/blog/2022/obsidian-daily-note-template/

Stand der Kinder 2023

Nachdem ich gestern ein Fußballseminar besucht habe, was im speziellen die Kinder- und Jugendarbeit ansprach, gab es im Kanon ein paar erschreckende Dinge, wie es um unsere Kinder heutzutage steht.
Anwesende waren verschiedene Trainer von den Bambinis bis zur U11 aus verschiedenen ländlichen und städtischen Vereinen. Das Thema war, gerade aktuell, die Umstellung auf Minifußball und die damit verbundenen Benefits.

Warum ist Minifußball so kontrovers angesehen? Viele Argumente sprachen auf die Leistungslosigkeit, die „alle-sind-Gewinner“ Mentalität etc. Im ersten Kontext (und wir sprechen von Kindern im Alter von 6-8) scheint das eine gute Sache, auch wenn ich als Vater selbst nicht ganz vom „alle-sind-Gewinner“ Prinzip überzeugt bin. Ehrlicherweise muss ich aber eingestehen, daß zwar keine nackten Tabellen mehr über Sieg und Niederlage bestimmen, sondern durch das Rotationsprinzip auf dem Platz man visuell wahrnehmen kann, wer da gut ist und wer eben nicht.
Nach gut einer langen Präsentation und Vorführung am eigenem Leib finde ich die Idee mittlerweile nicht ganz so schlimm. Doch ein Punkt berührte mich ungemein.

Auch einer der Hauptgründe für diese Maßnahmen, sind neben Trainermangel, auch Grundlegende Sachen. Viele Kinder sind sportlich nicht mehr in der Lage diese Punkte zu erfüllen, die man für ein reguläres Fußballspiel brauchen würde. Vielen Kindern mangelt es an motorischen Fähigkeiten (ich hörte von vielen 10 jährigen die keinen Purzelbaum mehr können, nicht vom Vorderfuß abspringen können etc.), welche es ihnen nicht ermöglicht erfolgreich in ein Training zu gehen und die Leistung abzurufen. Nun wäre der Ansatz, die fehlenden Fähigkeiten beim Training evt. anzutrainieren, was aber einen enormen Zeitaufwand beträgt und einige andere Kinder hinten anstellt. Also ist der Ansatz verworfen, denn als Fußballtrainer bist Du eben kein Turntrainer oder Elternteil, welcher solche Dinge vermittelt. Das ist sich der DFB und die Landesverbände auch bewusst und daher kommt die Umstellung auf das Verfahren (trotz viel Kritik – https://www.fupa.net/news/kritik-am-mini-fussball-bfv-bezieht-stellung-und-bringt-argumente-2971809).

Am Ende des Tage sprechen wir hier von einer Anpassunge an eine neue Situation. Kinder mangelt es an Sozial-, Bewegungs- und Bildungskompetenz und als Verein muss man sich dieser Herausforderung stellen. Es ist daher gut die Kinder, wenn sie eh schon genug auf dem Buckel haben (Stichwort: bis 16.00 in der Betreuung, direkt zum Training etc), so abzuholen und wenigstens etwas in das Sportleben zu integrieren. Das Problem allerdings, liegt ganz woanders.