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26. Sep. 2023

Erwartungen

Dieses Jahr ist viel passiert, privat wie auch politisch. Der Ukraine-Russland Krieg ist weiterhin im vollem Gange, das Heizungsgesetz wurde verabschiedet, die Maut wird erhöht was teurere Lebensmittel/Konsumgüter bedeutet, die Inflation steigt weiterhin, Energiepreise erhöhen sich munter weiter.

Viel Dystopie wird wahr und wenn man ehrlich in die Zukunft blickt bleibt es nicht dabei. Es wird sich einiges ändern und als solider Mittelständler wird langsam klar, daß die sorglosen Jahre vorbei sind.
Ich habe den Blick privat auf einen Fall gelegt, der wie sich herausstellt, durch das soziale Netz fällt. Anträge etc. werden nicht bearbeitet da die zugeschriebene Rente zu hoch ausfällt als es die Bemessungsgrenze ist (liegt unter dem Existenzminimum). Aufstockung unmöglich. Erwerbsunfähigkeitsrente wird nicht erteilt, da sie um 1% unter der „Behindertenrate“ liegt. Ämter helfen nicht weiter, sie verweisen auf bereits getätigte Entscheidungen, die aber längst durch neue Arztbriefe etc. widerlegt sind.
Ich könnte noch viel weiteres aufzählen was aktuell und die letzten Jahre so schief läuft.

Nun blicke ich auf meine Familie. Kompliziert, nicht der Norm entsprechend. Wir ziehen unsere Kinder mit Erwartungshaltung auf. Nicht im Sinne von Leistung und Produktivität, sondern moralischen und ethischen Erwartungen. Auf dem Land ist das zum Glück weites gehend die Norm, im städtischen Vorort war es das nicht (und hier sprechen wir am Ende immer noch von Provinz). Diese Erwartungen sind an Familien- wie auch öffentlichem Leben gekoppelt. Das heißt Bitte-Danke, älteren den Vorrang lassen, Situationen bewerten (soweit möglich) und ggf. eingreifen/helfen, den schwächeren Beistehen, niemanden diskreditieren etc. gilt in beiden Lebenslagen. Gerade bei Kindern ein schweres Unterfangen, da sie stets lernen und testen. Aber die Resultate sprechen oft für sich.
Nun sehe ich Artikel in denen Jugendliche und junge Erwachsene erstochen werden, die helfen. Oder Helfer wegen Gewaltanwendung verurteilt werden. Welche Erwartungshaltung herrscht hier vor? Helfe ich, muss ich rechen ermordet zu werden. Nun versuche ich nicht immer das „früher-war-alles-besser“ Argument zu ziehen, doch wenn in unserer Sturm und Drang Zeit etwas los war, hatten wir nie das Gefühl wir werden gleich erstochen oder ermordet. Und ich war in anderen Kreise unterwegs, als so manch wohlbehüteter Rebell. Zwar gab es bei uns schon diese Romantik nicht mehr, wer am Boden liegt – Feierabend, aber es gab keine exzessiven Kopftritte die einen Tod in Kauf nehmen. Und mit 12-13 gab es das erst recht nicht – wir fingen mit diesem Blödsinn mit 16-17 an. Auch an Anzeigen wegen Hilfe mit Gewaltanwendung (wenn jemand eine Frau betatscht und auf mehrmaliges Ermahnen und auf Seite stellen nicht reagiert wurde auf dem Land nicht lang gefackelt) kann ich mich nicht erinnern – und das kam sowieso sehr selten vor.

Die Frage stellt sich, was gebe ich meinen Kindern mit? Helft nicht, denn Staat und Gesellschaft lassen euch im Stich? Seht weg und lasst andere Leute ihr Geschäft machen? Höflichkeit zahlt sich nicht mehr aus, da kaum jemand noch einen Kompass in diese Richtung hat?
Welche Erwartungen hat man an diese Gesellschaft?

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