Monat: September 2026

Gesellschaftlicher Wert

In meinen Jugendjahren habe ich viel nebenher gearbeitet und auch unbequeme Arbeiten angenommen. Auch in meiner Zeit als Arbeitsloser, habe ich kurzerhand sogenannte Knochenjobs angenommen, nur um kein Arbeitslosengeld zu kassieren. Ich war nicht wählerisch und wollte nur arbeiten. Nebenher dann auch geschaut, wieder in das Büro-Arbeitsleben zu kommen. Der Unterschied zu heute, in den 00er Jahren war es noch gut so zu handeln. Klar gab es mal ab und zu Kommentare wie „wieso arbeitest Du dort, du bist doch BLABLABLA“ oder „solche Jobs machen doch nur die ungelernten“… ich konnte diesen Kommentaren nichts abhaben. Für mich war es ein Affront, die Leute die wirkliche Arbeit durchführen, als „niedere“ Kaste einzustufen. Denn ich habe früh schon erkennen dürfen, was eine Gesellschaft zusammenhält. Es ist nicht das Papier der uns vorschreibt wie/wo/was zu tun, sondern es sind alle Personen, die aktiv daran arbeiten, daß alles so läuft. Es ist der Zeitungsausträger, der Müllmann, die Putzfrauen, die Verkäuferinnern in den Supermärkten, welche jeden Tag aufs neue aufstehen und die „Büromenschen“ mit allem Versorgen, was sie brauchen. Richtig gelesen – ohne diese Leute, die unsere Straßen aufräumen, die hart arbeiten damit das Internet zu uns kommt und wir arbeiten können – ohne diese Leute gäbe es nichts für uns zu tun. Und ich finde, daß die Wertschätzung in den letzten Jahren erheblich gesunken ist. Gefühlt hat nun jeder ein Abi/Studium und schimpft auf das niedere „Volk“, welche am besten nichts zu sagen haben. Das Elfenbeinturm-Denken ist auch in der Mittelklasse angekommen. Doch es wird immer eins vergessen – ohne den Arbeiter, kann die Mittelklasse nicht bestehen. Eines versuche ich mir immer wieder ins bewusstsein zu rufen – vergesst nie, wo ihr herkommt! Jeder hat seinen Weg, jeder hat seine Herkunft die man schätzen muss. Und jede Arbeit, egal wie nichtig sie einem erscheint, ist wichtig für unser gmeinsames Leben. Und man sollte immer daran denken – die Bullshit Jobs bestehen sehr meist nur im Bereich der Verwaltung-/Büroarbeit.

9 Jahre…

Am Mittwoch ist es nun 9 Jahre her, als Helena für immer ihre Augen schloß. Mit ihr verlor ich ein Kernstück der ersten Familie. Sie ging viel zu früh, unerwartet und hinterlies eine Lücke die nicht zu füllen ist. Mit ihr ging auch ein großes Stück vertrauen in das sichere Leben. Man fühlt sich immer so sicher, so abgesichert – die Wahrheit ist eine andere. Jeden Tag ist ein Würfelspiel. Auch Helena erwachte und hatte von heute auf morgen die Diagnose Brustkrebs. Und jeder Tag, jede Chemo, jede Bestrahlung war ein Glücksspiel. Die Würfel sind am 09.09.2017 falsch gefallen…
Die Ohnmacht welche die Medizin an den Tag legte, war auch ein Punkt der viel in mir bewegte. Man lacht über die Diagnosen von Dr. House im Fernsehen, dass Abstottern von Diagnosen und der Einsatz bekannter Methoden – am Ende ist es aber die Wahrheit. Krebs gehört nicht zu einer Krankheit die mit Tabletten schnell weggeht. Und auch wenn die Chemo bei vielen Anschlägt und alles funktioniert, bei vielen eben auch nicht. Und zurück bleibt Ratlosigkeit. Eine gute Bekannte verlies uns einige Jahre später. Ihr Weg war schon immer gezeichnet vom Krebs. Die Würfel fielen sehr lange günstig für sie. Doch eben die eine Nacht, als ein einziges Selfie (es wurden vorher NIE Selfies gemacht) im Whatsapp Status auftauchte, dort wusste man die Würfel sind ungünstig. Und kaum eine Therapie konnte am Ende den Kern besiegen.

Blicke ich auf unser gemeinsames Kind welches nächste Woche einen neuen Lebensabschnitt startet, so blicke ich mit Stolz und auch Trauer auf ihn. Stolz, daß er trotz aller Widrigkeiten schon soweit kommt und ein starker Kämpfer ist. Traurig, daß er einen weiteren Lebensabschnitt ohne seine leibliche Mutter geht.

Sachsen-Anhalt

Am Sonntag schaffte es die AfD auf 43,8% und stellt somit die meisten Sitze. Der Aufschrei war und ist immer noch groß. Beeindruckt am Wahlabend haben mich tatsächlich die Linken und Grünen. Während bei den Linken Reichinnek Kampfansagen machte und vor laufender Kamera mit ihrer „die U18 wählen nicht die AfD“ (https://x.com/ainyrockstar/status/2096648345414504735) und auch die Grünen traten auf als hätten sie die Wahl gewonnen. Fakt ist, daß nun jede Partei einen Bruch wagen muss. Die AfD weg von ihrer Alleinregierung, die CDU mit der Brandmauer gegen Rechts und Links (https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/unvereinbarkeit-mit-der-linken-kann-die-cdu-daran-festhalten,VH2cWE8) – aber das Ergebnis zeigt klar – entweder verzichtet man auf den demokratischen Willen und bildet eine Koalition der „willigen“ mit Minderheiten oder man findet doch politische Wege zu einer Zusammenarbeit.
Es bleibt hier spannend… allerdings sollte man auf die apokalyptischen Worte, daß nun alles den Bach runtergeht, verzichten. Wir sind schon steil den Bach heruntergegangen und es wird die nächsten Jahre auch so weitergehen. Weder eine CDU/SPD Regierung wird das kippen, noch eine AfD in Sachsen-Anhalt. Es gilt nur noch, irgendwie eine Bremse zu finden, damit der Aufprall etwas milder wird.

Die Wissenschaft und unser aktuelles Wesen

Wissenschaft ist ein Rückblick – kein Orakel

Der Befund

Wissenschaft gilt als letzte Instanz der Wahrheit. Historisch betrachtet ist sie etwas anderes: die Beschreibung des jeweils aktuellen Wissensstandes. Sie urteilt nach der Erfahrung, mit den Instrumenten, Methoden und Vorannahmen ihrer Zeit – also a posteriori. Jede ihrer Aussagen ist vorläufig. Das ist keine Schwäche, sondern ihre Bauart. Problematisch wird es erst dort, wo der jeweils aktuelle Stand als endgültige Wahrheit ausgegeben wird.

Die Belege

Henryk M. Broder hat sinngemäß darauf hingewiesen, dass dieselbe Wissenschaft, der man heute bedingungslos folgen soll, Frauen einst einen klaren Verstand absprach. Das ist keine Polemik, sondern nachprüfbar. Im 19. Jahrhundert leitete die Schädel- und Hirnforschung – unter anderem Paul Broca und Gustave Le Bon – aus dem geringeren Hirngewicht von Frauen eine geringere geistige Leistungsfähigkeit ab. Der Fehler war methodisch: Hirngröße skaliert mit Körpergröße. Die Schlussfolgerung war Zeitgeist in Zahlen gegossen.

Die Reihe lässt sich verlängern:

  • Ignaz Semmelweis wies 1847 den Nutzen der Händedesinfektion nach und wurde von der Fachwelt jahrzehntelang abgelehnt.
  • Alfred Wegeners Kontinentaldrift galt rund fünfzig Jahre als Spekulation.
  • Magengeschwüre galten als Stressfolge, bis der Nachweis von Helicobacter pylori das Bild umwarf – Nobelpreis 2005.
  • Die Lobotomie erhielt 1949 selbst einen Nobelpreis.

Was daraus folgt – und was nicht

Wer heute sagt „die Wissenschaft sagt“, meint fast immer eine mediale Verkürzung. Nachrichten brauchen Eindeutigkeit; Forschung liefert Wahrscheinlichkeiten, Streit und Fehlerbalken. Was übrig bleibt, ist ein Konsensbild ohne die Debatte, die es erzeugt hat. Diese Verkürzung ist selten neutral, weil sie Interessen, Aufmerksamkeit und Zeitdruck folgt.

Daraus folgt: eigene Urteilskraft, Erfahrung und ein Gespür für Stimmigkeit sind kein Aberglaube, sondern ein notwendiges Korrektiv. Wer sein Inneres vollständig an externe Autorität abtritt, gibt genau die Instanz auf, die Widerspruch überhaupt möglich macht.

Redlicherweise gehört die Gegenseite dazu: Korrigiert wurden diese Irrtümer nicht durch Intuition, sondern durch Wissenschaft selbst – durch bessere Daten und hartnäckige Einzelne. Das Bauchgefühl der damaligen Zeit trug die Vorurteile mit, es widerlegte sie nicht.

Fazit

Die innere Stimme ist kein Ersatz für Prüfung, aber ein Frühwarnsystem gegen Gewissheit. Skepsis gehört in beide Richtungen: gegenüber dem, was verkündet wird – und gegenüber dem, was man ohnehin glauben möchte.