Beim Kauf von Dingen neige ich ja gerne dazu, über Dinge zu Philosophieren. Neben den üblichen Entscheidungen, ob Dinge benötigt werden oder ob Preis und Qualität ausreichend sind, verfalle ich gerne in eine weitere Philosophie – was unterstütze ich damit, mit welcher Kultur verbinde ich das gekaufte. Bis zum Ende bin ich hier sicherlich nicht konsequent, denn viele Alltagsgegenstände hinterfrage ich nicht, da ich dies auch als Teil der Kultur zähle und hier keinen Sinn darin sehe das weiter zu hinterfragen.
Bei dieser Philosophiefrage merke ich wie man viele Gemeinsamkeiten und auch kleine Unterschiede feststellt. Beispielsweise habe ich eine kleine Leidenschaft für die japanische Geschichte, im speziellen die Ära der Samurais und deren Lebensweise (Bushido). Diese zieht sich bis heute in der Gesellschaft durch (Stichworte – Ho-Ren-Su, Report-Contact-Consult). Dies spiegelt, für mich, die tiefe Sinnfrage eines Tuns durch – Ikigai. Während wir im deutschen Kulturkreis eher zur „Pflicht“ der Arbeit neigen, ist in Japan auch eine Passion dahinter, da die Arbeit auch einen erheblichen Teil des Lebens und damit des Seins darstellt. Wer arbeitet ist etwas und verwirklicht sich damit. Zwar bleibt auch die Frage ob das Ideal bei wirklich jeder Arbeit gegeben ist, am Ende jedoch bleibt das Gefühl etwas Sinnvolles für die Allgemeinheit zu tun. Dieser Gedanke prägt mich auch, unbewusst, seit eh und je. Die stete Weiterentwicklung, die Frage ob mich die Arbeit glücklich macht, aber auch die Hingabe den Beruf so gut wie möglich zu tun treibt auch mich an, obwohl ich alles andere als Japanisch erzogen wurde. Plump gesagt ziehe ich mein Interesse für diese Lebensweise auch aus diesen Sachverhalt. Aber ich merke auch den deutschen Pragmatismus, welcher die Jahre durch die Gesellschaft in mich getragen wurde. Dinge auf das nötigste Reduzieren, Form folgt Funktion und reine Zwecknützigkeit. Hier prallt innerlich nun ein großes Aber aufeinander, denn es gibt einen erheblichen Unterschied zwischen den Prinzipien des Ikigai und dem puren Pragmatismus – denn pragmatisch kann ich Dinge tun, die weder ein Weiterkommen noch Freud bereiten, man tut es um des Tuns wegen, während bei Ikigai auch hinterfragt wird – macht es glücklich, wohin bewegt es mich. Diese Frage geht in eine Tiefe die, um den Kreis zu schließen, am Ende in einem Produkt münden, welches wir Nutzen wollen. Es gibt für mich einen Unterschied ob eine Ware pragmatisch produziert wurde, zwar alle technischen Finessen hat aber am Ende ein kaltes steriles Produkt ist, welches zum Zweck gebaut wurde oder ob eben eine Philosophie dahinter steckt, in der ein Produkt mit Leidenschaft gemacht worden ist, den Gedanken beinhaltet auch den einzelnen in seiner Arbeit verwirklichen zu lassen und dem ganzen am Ende einen gewissen Charakter zu geben.
Ziehe ich nun ein Fazit, welches natürlich ein erhebliches Gedankliches ist, so spielt in dieser Welt oft nur der funktionale Aspekt eine Rolle. Bedeutet das am Ende das wir als Drohnen unserer Arbeit ohne Leidenschaft nachgehen sollen, wie es in der westlichen Welt gerne gepredigt wird – Tue was verlangt und hinterfrage nicht? Verlieren wir damit nicht auch die Freude am eigenen Tun wenn das Werk anderer am Ende keine Rolle mehr spielt?
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